Stolperfalle Überbrückungshilfe

Überbrückungshilfen für Unternehmer und Soloselbständige

Wie setzten die Finanzierungsbanken diese bei der Kreditprüfung an und welche Auswirkung kann dies auf die Kreditentscheidung haben?

Was sind Überbrückungshilfen?

Seit Juni 2020 unterstützt der Staat mit der Überbrückungshilfe (nicht zu verwechseln mit der Corona-Soforthilfe) in einem jeweils festgelegten Förderzeitraum alle von der Corona-Pandemie betroffenen Unternehmen, Soloselbständige und Freiberuflerinnen und Freiberufler bei der Deckung von betrieblichen Fixkosten. Die Überbrückungshilfe ist abhängig von der Höhe des Umsatzrückgangs im Vergleich zu einem festgelegten Zeitraum im Jahr 2019. Die Beantragung kann nur über Steuerberater/Wirtschaftsprüfer/vereidigte Buchprüfer oder Rechtsanwälte erfolgen. Auch für 2022 sind Überbrückungshilfen weiter vorgesehen (Überbrückungshilfe IV).

Wie werden erhaltene Überbrückungshilfen von der Bank bei der Beurteilung der Geschäftszahlen angesetzt?

In meiner Praxis ist es jetzt bereits mehrfach vorgekommen, dass ein Unternehmen einen weiteren Bankkredit für geschäftlich sinnvolle Investitionsmaßnahmen beantragen wollte, aber die Finanzierungsbank trotz guter Prognosen diesen Wunsch abgelehnt hatte. Ursache war unter anderem, dass die erhaltenen Überbrückungshilfen aus dem Betriebsergebnis für die Geschäftsjahre 2020 und 2021 herausgerechnet wurden. Und dies, obwohl die Geschäftsentwicklung bis Ende 2019 des Unternehmens positiv war.

Die Gründe für den Umsatzrückgang ergaben sich u.a. durch die aufgrund der Pandemie wirtschaftlich erschwerten Rahmenbedingungen, der staatlich angeordneten Einschränkungen oder der vorübergehenden erlassenen Zwangsschließungen in bestimmten Branchen. Aufgefangen wurde dieses „Umsatzloch“ durch erhaltene Überbrückungshilfen zur Abfederung der weiterhin anfallenden betrieblichen fixen Kosten. Damit konnte in vielen Fällen der Fortbestand des Unternehmens trotz erheblicher Umsatzeinbußen sichergestellt werden.

Viele Banken setzen diese Überbrückungshilfe nicht als betrieblich bedingte Einnahme, sondern als neutrale oder außerordentliche Einnahme an. Obwohl diese Einnahmen für den Unternehmer steuerpflichtig sind und damit auch das steuerliche Betriebsergebnis erhöhen, rechnet die Bank diese Einnahmen für die Kapitaldienstfähigkeitsberechnung oftmals aus ihrer Liquiditätsrechnung heraus. Dieses korrigierte Ergebnis kann dann in der Gesamtbetrachtung dazu führen, dass die Bank das rechnerische Betriebsergebnis zur Deckung der Gesamtkosten als zu niedrig ansieht und dies ein K.O.-Kriterium für die Beantragung eines Geschäftskredites sein kann.

Diese Betrachtungsweise der Banken halte ich dann für nicht zielführend und diskussionswürdig, wenn schlussendlich eine finale negative Kreditentscheidung von der Betrachtungsweise der Überbrückungshilfen abhängig gemacht wird und alle anderen Rahmenbedingungen stimmen, wie beispielsweise

  • die Kapitalverhältnisse der Firma bzw. ein ausreichend gegebener Vermögenshintergrund des Selbständigen
  • eine ausreichende materielle Besicherung für die Bank und
  • positive und stabile Geschäftsaussichten/Prognosen für die Zukunft.

Wie rechnet die Bank?

Viele Banken orientieren sich bei Selbständigen an den Jahres-Durchschnitt des Betriebs-ergebnisses der letzten 3 Geschäftsjahre. Ohne Ansatz der gezahlten Überbrückungshilfen für 2020 und 2021 spiegelt dieses rechnerisch ermittelte Ergebnis nicht die liquiditätsmässig anzusetzenden Einnahmen wieder. Verständnis für eine  Entscheidung der Finanzierungsbank, diese Einnahmen nicht zu berücksichtigen, habe ich dann, wenn für die betreffende Branche -trotz weiterer staatlicher Unterstützungen- keine positiven Aussichten für eine dauerhaft wieder zu erwartende stabile Geschäftsentwicklung gegeben sind.

Ob mit einer evtl. Teilrückzahlung einer erhaltenden Überbrückungshilfen zu rechnen ist (wenn beispielsweise die für die Bemessungsgrundlage zugrunde gelegten Prognosen von den tatsächlich mittels BWA belegten Zahlen abweichen), sollte vor dem Bankgespräch mit dem Steuerberater verbindlich abgeklärt sein, um diesen eventuellen weiteren Einwand der Bank entkräften zu können.

Eine Kreditablehnung kann dann letztlich dazu führen, dass notwendige bzw. sinnvolle Investitionen für eine positive Geschäftsentwicklung in 2022 für das Unternehmen zwangsläufig zurückgestellt werden müssen bzw. im schlimmsten Fall die Liquiditätssituation des Unternehmens gefährdet ist.

Es ist sicherlich immer vom Einzelfall abhängig, aber hier würde ich mir eine einheitliche Vorgehensweise der Banken wünschen. Nämlich dann die Überbrückungshilfe als ordentliche Betriebseinnahme anzusetzen, wenn diese verbindlich genehmigt wurde und nicht zurückgezahlt werden muss und auch die künftige Geschäftsentwicklung in der entsprechenden Branche positiv eingeschätzt werden kann.

Praxistipp:

Bei der Buchung der erhaltenen Überbrückungshilfe in der BWA (betriebswirtschaftliche Auswertung) sollte mit dem Steuerberater besprochen werden, in welche Kontenklasse diese Einnahme verbucht wird bzw. werden kann. Denn eine unterschiedliche Erfassung dieser Position kann sich ggs. auf das optisch zum Ausweis kommende Betriebsergebnis für die Bank positiv als auch negativ auswirken.

Der Unterschied zu der Verbuchung in der BWA kann sich alleine schon dadurch ergeben, dass es sich bei dem Unternehmen um ein bilanzierendes Unternehmen handelt oder lediglich eine Einnahme-/Überschussrechnung erstellt wird. Außerdem können sich durch die unterschiedlichen Ansätze Verschiebungen in den Veranlagungszeiträumen ergeben (Zuflussprinzip bzw. Realisationsprinzip). Hier ist eine enge Abstimmung mit den Steuerberater zu empfehlen. Ohnehin kann ich nur empfehlen, eine BWA im Vorfeld immer mit dem Steuerberater zu besprechen, bevor diese an die Bank weitergeleitet wird.

Zwei konkrete Praxisfälle:

In meiner Praxis kann ich hierzu auf zwei konkrete Fälle hinweisen:

  1. Bei einem bilanzierenden Unternehmen wurde die Überbrückungshilfe als neutraler Ertrag verbucht. Das ausgewiesene betriebliche Ergebnis war hierdurch deutlich niedriger und ein KO-Kriterium für die Finanzierungsbank.
  2. Bei einem Soloselbständigen, der eine Einnahmen-/Überschussrechnung erstellt, wurde die Überbrückungshilfe den normalen betrieblichen Einnahmen zugeordnet. In den Kontenklassen wurde dieser als Investitionszulage verbucht. Dies führte dazu, dass die Finanzierungsbank für deren Durchschnittsbetrachtung des Betriebsgewinns diese Einnahmen zugrunde legte und sich dies positiv auf die Kreditentscheidung auswirkte.

Fazit:

Der Ansatz der Überbrückungshilfe in der betriebswirtschaftlichen Auswertung kann unterschiedliche Auswirkungen auf den Ansatz eine Betriebsergebnisses für eine Kreditentscheidung haben und sollte insofern konkret hinterfragt bzw. durch den Steuerberater geprüft werden. Besonders dann, wenn alle anderen Analysefaktoren positiv sind und nur der Nichtansatz der Überbrückungshilfe zu einem KO-Kriterium führen sollte.

Klar ist auch, dass es keine pauschale Aussage hierzu geben kann, da dies immer von Einzelfall zu Einzelfall unterschiedlich sein kann und viele andere Faktoren eine Rolle spielen. In jedem Fall ist immer ein Steuerberater hinzuzuziehen.

Bei diesem Blogartikel war mir wichtig, das Thema Überbrückungshilfe aus dem Blickwinkel der Bank zu betrachten. Eine steuerliche Aussage kann und darf ich hierzu nicht treffen. Hierfür ist ein Steuerberater hinzuzuziehen.

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Ich wünsche Dir noch eine erfolgreiche Arbeitswoche.

Dein Blogger und Podcaster
Alexander Katz

 

 

 

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